
Am gestrigen Samstag habe ich auf einem Flohmarkt ein wirklich ansprechendes, zweifarbig gedrucktes Schriftmuster der Deutschen Anzeigenschrift von Rudolf Koch entdeckt. All diejenigen, die weder Rudolf Koch noch seine Schriften kennen, seien die folgenden Informationen gewidmet:
Rudolf Koch war ein bedeutender deutscher Typograf, Kalligraf, Schriftentwerfer und Lehrer. Am 20. November 1876 in Nürnberg als Sohn des Bildhauers Paul Koch geboren, begab er sich in der Zeit von 1892 bis 1896 in die Ziseleurlehre in Hanau. Parallel besuchte er eine Zeichenakademie – ab 1896 absolvierte er eine Zeichenlehrausbildung an der Kunstgewerbeschule Nürnberg und an der Technischen Hochschule München. Seine wahre Berufung fand er jedoch erst in einer Anstellung als Zeichner und Maler in einer Leipziger Großbuchbinderei – das Druckgewerbe. Im Jahre 1906 trat er als künstlerischer Mitarbeiter der Rudhardschen Gießerei (später Klingspor) in Offenbach am Main bei, für welche er bis zu seinem Tod tätig war. Ab 1908 unterrichtete er auch an den Technischen Lehranstalten Offenbach das Fach Schrift. Im Alter von 58 Jahren verstarb er am 9.April 1934 in Folge eines Herzinfarktes. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören die Kabel (1927), die Koch Antiqua (1922) sowie diverse Frakturschriften.
Die Deutsche Anzeigenschrift geht auf einen Auftrag des Ullstein-Verlages an Rudolf Koch zurück. Der Verlag suchte nach einer neuen Fraktur, welche einen deutschen Charakter aufweist, dennoch zeitgemäß und weniger opulent als viele barocke Schriften der damaligen Zeit anmuten sollte. Obwohl Kochs Entwürfe nicht den Vorstellungen des Ullstein-Verlages entsprachen, schnitt Klingspor die Schrift in breiter, enger und schmaler Abwandlung. In der Zwischenzeit hatte die Stempelsche Schriftgießerei die Schrift erworben und veröffentlichte 1934 noch einen mageren Schnitt, welcher die Bezeichnung Deutsche Werkschrift erhielt.
Das Foto zeigt die Deutsche Anzeigenschrift im engen Schnitt.