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Parachute Fonts



Die griechische Schriftenschmiede Parachute durfte sich für ihren vielseitigen Fontkatalog schon eine Menge Lob einholen. Um 1999 von Panos Vassiliou gegründet, ist sie heute für ihre vielfältigen Opentype-Familien bekannt.
Eines ihrer größten Mammutprojekte stellt(e) die Entwicklung der Champion Script Pro dar, einem Scriptfont aus zwei Schnitten, welcher mittlerweile ganze 4280 Glyphen zählt. In einer Zeit von circa zweieinhalb Jahren entwickelt, basiert sie auf den Manuskripten des englischen Kalligrafen Joseph Champion aus dem mittleren 18. Jahrhundert.
Diese und weitere interessante Fakten zur Entstehung und Ausarbeitung der Champion kann man nun auf dem neuen Blog von Parachute nachlesen. Sehr empfehlenswert.

kleingedrucktes



Schaut man sich vor allem die unteren Formen der Minuscule an, liegt anfangs die Vermutung nahe, dass man es mit einem der vielen technoiden Displayfonts aus jüngster Vergangenheit zu tun hat – tatsächlich ist aber das genaue Gegenteil der Fall. Die Schriftfamilie des französischen Typografen Thomas Huot-Marchand ist speziell für die Verwendung in kleinen Größen gedacht – je nach Schriftschnitt schrittweise von 6 Punkt (oben) bis hinunter zu 2 Punkt!
Um Schriften in einer solch geringen Größe lesbar zu gestalten, müssen die Buchstaben speziell für die Ausgabegrößen geschnitten werden. Zu Zeiten des Bleisatzes wurden Schriften in verschiedenen, meist wenigen Graden hergestellt. Der Vorteil daran war, dass die Schnitte auf ihre Größe speziell optimiert werden konnten und ein gutes Druckergebnis somit möglich. Im Zeitalter des Computers ist die Entwicklung dagegen so, dass durch die Möglichkeit der Skalierbarkeit von Schriften ihr Einsatzgebiet erweitert wurde, sie aber oft in Größen verwendet werden, für die sie einfach nicht geschaffen wurden. Eine Tendenz zur Gestaltung und Entwicklung von digitalen Schriften für spezielle Ausgabegrößen im Druck ist somit absehbar – in Zukunft wird die Unterscheidung weitaus präziser sein, als die derzeit oft verwendeten Einsatzbereiche für Text und Display.
Um eine Schrift wie die Minuscule zu entwickeln, muss man einige Punkte bei der Charakteristika der Formen beachten: zum einen besitzen Fonts dieser Art eine hohe X-Höhe, wodurch sie optisch weniger kompakt wirken; sehr offen gezeichnete Buchstaben um ein zulaufen der Punzen und Strichkreuzungen im Druck zu vermeiden, robuste (Slab-)Serifen, eine betont vertikale Ausrichtung sowie eine hohe Laufweite, um das Zusammenfließen der Buchstaben beim lesen zu verringern.
Neben der Minuscule gibt es noch Fonts, welche für ähnliche Zwecke konzipiert worden sind. Erwähnenswert in dem Zusammenhang sind die La Formica von Volker Heim und der »MicroText™ Specialty Imaging Font« von XEROX, welcher gar in 0,7pt lesbar bleibt. Mit dem Font ist es möglich, ein 100-seitiges Buch auf einer A4-Seite zusammenzufassen. Seinen Einsatz findet er in personalisierten Dokumenten wie Zeugnisse, Geburtsurkunden und Ausweispapiere, wo es besonders wichtig ist, dass diese nahezu fälschungssicher sind.
Ich habe die Minuscule mal probehalber auf einem durchschnittlichem Tintenstrahldrucker getestet und ich war überrascht, wie gut sie trotz des eher schlechten Druckverfahrens lesbar ist. Auch wenn die Formen und Ansätze äußerst interessant sind, bleibt der Minuscule eben doch das Manko, einen stark eingeschränkten Einsatzbereich abzudecken.

Ein ausführliches Schriftmuster gibt es hier (PDF).

Deutsche Anzeigenschrift



Am gestrigen Samstag habe ich auf einem Flohmarkt ein wirklich ansprechendes, zweifarbig gedrucktes Schriftmuster der Deutschen Anzeigenschrift von Rudolf Koch entdeckt. All diejenigen, die weder Rudolf Koch noch seine Schriften kennen, seien die folgenden Informationen gewidmet:
Rudolf Koch war ein bedeutender deutscher Typograf, Kalligraf, Schriftentwerfer und Lehrer. Am 20. November 1876 in Nürnberg als Sohn des Bildhauers Paul Koch geboren, begab er sich in der Zeit von 1892 bis 1896 in die Ziseleurlehre in Hanau. Parallel besuchte er eine Zeichenakademie – ab 1896 absolvierte er eine Zeichenlehrausbildung an der Kunstgewerbeschule Nürnberg und an der Technischen Hochschule München. Seine wahre Berufung fand er jedoch erst in einer Anstellung als Zeichner und Maler in einer Leipziger Großbuchbinderei – das Druckgewerbe. Im Jahre 1906 trat er als künstlerischer Mitarbeiter der Rudhardschen Gießerei (später Klingspor) in Offenbach am Main bei, für welche er bis zu seinem Tod tätig war. Ab 1908 unterrichtete er auch an den Technischen Lehranstalten Offenbach das Fach Schrift. Im Alter von 58 Jahren verstarb er am 9.April 1934 in Folge eines Herzinfarktes. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören die Kabel (1927), die Koch Antiqua (1922) sowie diverse Frakturschriften.
Die Deutsche Anzeigenschrift geht auf einen Auftrag des Ullstein-Verlages an Rudolf Koch zurück. Der Verlag suchte nach einer neuen Fraktur, welche einen deutschen Charakter aufweist, dennoch zeitgemäß und weniger opulent als viele barocke Schriften der damaligen Zeit anmuten sollte. Obwohl Kochs Entwürfe nicht den Vorstellungen des Ullstein-Verlages entsprachen, schnitt Klingspor die Schrift in breiter, enger und schmaler Abwandlung. In der Zwischenzeit hatte die Stempelsche Schriftgießerei die Schrift erworben und veröffentlichte 1934 noch einen mageren Schnitt, welcher die Bezeichnung Deutsche Werkschrift erhielt.

Das Foto zeigt die Deutsche Anzeigenschrift im engen Schnitt.

Schriftmusterausstellung in Leipzig



»Scala, Bembo, Times und Dolly – über die Schönheit von Schrift- musterbüchern« ist der Titel einer Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Bereits seit dem 21. September kann man dort eine reichhaltige Sammlung an Schriftmusterbüchern bewundern.
Heute hatte ich es endlich nach Leipzig geschafft, um mir die von der Stiftung Buchkunst und TYPOSITION (Offenbach) organisierte Ausstellung anzuschauen. Auf zwei Stockwerken verteilt lässt sich in einer Vielzahl von Vitrinen ein Querschnitt verschiedener Typografieepochen entdecken – angefangen beim Bleisatz über den Fotosatz bis hin zum heutigen digitalen Satz. Interessant ist dabei anzusehen, das die Möglichkeiten der einzelnen Druckmedien einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung der Bücher beigetragen haben – eine reine Abbildung eines Fonts im Blindtext ist heutzutage nur noch selten zu sehen, viel mehr wird Wert auf Details und eine aufwendige Gestaltung in Satz und Verarbeitung gelegt. So ist es nicht selten, dass sich komplette Geschichten um einen Font entwickeln - das Muster wird ein einziges visuelles und inhaltliches Erlebnis.
Wer diese Ausstellung noch sehen möchte, kann dies noch bis zum 19. Januar 2008 tun.