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Von Tropfenserifen und Elefantenrüsseln



Betrachtet man die Geschichte und Entwicklung von Schrift, so gibt es immer wieder Punkte an denen aufgrund mangelnder technischer Umsetzungsmöglichkeiten nachhaltig in Form und Erscheinung der Buchstaben eingegriffen wurde. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Serife, welche ursprünglich dem Zweck diente, den monumentalen römischen Inschriften einen schönen Strichabschluss zu verleihen. Das Bearbeiten der Oberfläche mit dem Meißel machte es nämlich schwierig, die ursprünglich rechtwinkligen Strichenden ohne auszubrechen herauszuschlagen. Mit der Serife fand man schließlich einen Weg, diese in einer schwungvollen Linie auf die Wand zu übertragen.
Eine ähnliche technische Unzulänglichkeit liegt der Tropfenserife zugrunde. Der Ursprung liegt im Barock, als das Schreiben mit dem Federzug sehr üppige Serifen und Buchstabenenden zuließ. Das »Rollwerk« umrankte dabei fast ornamental die Anfangsbuchstaben, auch Initialen genannt, bis hin zur Ausgestaltung des gesamten Blattes. Diese Form der Serifen fand sich auch an Frakturgroßbuchstaben, wo sie in sich verjüngenden Haarlinie zusammenrollten – den so genannten »Elefantenrüsseln«. Die Tropfenserife geht schließlich auf ein schreiberisches Missgeschick zurück, als bei dem Zeichnen des Elefantenrüssels die Feder auslief und ein großer Farbtropfen die Serife zulaufen ließ.
Vor allem in der späteren Schreibmaschinentechnik fanden die Tropfenserifen aufgrund ihrer robusten Verhaltens besondere Aufmerksamkeit; eine der bekanntesten Tropfenserifenschrift ist die von Joel Kaden und Tony Stan entworfene American Typewriter.

Bildquelle: Barbara Salberg-Steinhardt, Die Schrift – Geschichte, Gestaltung, Anwendung